Edwin Kratschmer: Dichter Diener Dissidenten. Sündenfall der DDR-Lyrik
Eine polemische Studie
Universitätsverlag Jena, 1995, 350 Seiten. ISBN 3-925-978-46-1

Die DDR-Lyrik hat sich als "Spezialliteratur" weitgehend intra muros entwickelt. So entstand ein in Weltanschauung, Erbevorgabe, Thematik, Gestik und Lexik eigenartiges Gebilde. Derart ist DDR-Lyrik ein geschichts-, gesellschafts- und regional gebundenes Phänomen von zuweilen provinzieller Einengung. Sie hatte jedoch auch Hochleistungen, denn das Repressionserlebnis Diktatur vermag neben der Renitenz und Schreibnot wohl auch eine besondere Schreiblust zu provozieren.
Hörige Dichter besaßen große Privilegien, andere verschwieg sich das Land oder es schaffte sie außer Landes. Ein perfektes Zensur- und Überwachungssystem sollte alle Publikationen lenken und leiten. Kritische Autoren – und viele der bedeutenden Lyriker gehörten zu ihnen – befanden sich beständig in der Mangel. Ihre Texte tragen zuweilen deutlich die Zitterspur der Angst, oder sie sind ein trutziges Dennoch. An ihnen hängen Lebensfäden und Zündschnüre gleichermaßen. Oft sind sie konspirativ. Das macht sie gewiss nicht kunstvoller, zuweilen aber Not-wendender.